Rezension zu: Zeit des Glanzes (Mila Sommerfeld)

Titel der Rezension „Lesenswert vor dem dargestellten Zeithintergrund“ / 4 Sterne

In "Zeit des Glanzes", dem ersten Band der Familiengeschichte um das Kaufhaus in Würzburg, werden die geschichtlichen Ereignisse der NS-Zeit von 1933 bis 1947 beschrieben, das Emporkommen der NSDAP, die Zunahme von Schikanen gegenüber Volksgruppen und Minderheiten in der Bevölkerung sowie Regimegegnern, der Verlauf des Krieges und die Zeit kurz danach, mit dem Beginn des Wiederaufbaus. Sehr anschaulich wird auch die Infiltration des öffentlichen Lebens durch das braune Gedankengut beschrieben. Die Erzählung des Ganzen erfolgt dieses Mal aus der Sicht von Katharina, der ältesten Tochter im Hause Wagner.

Katharina freundet sich mit Joseph an, dem Leiter des Kaufhauses. Sie verloben sich. Als die Verfolgung der Juden zunimmt, muss auch Joseph, der jüdischen Glaubens ist, Deutschland verlassen. Um der Verfolgung zu entgehen, geht er in die Schweiz und überlässt Katharina die Leitung des Kaufhauses. Sie hängt sich in die Leitung des Kaufhauses, will es für Joseph erhalten. Er löst die Verlobung und die enttäuschte Katharina heiratet einen anderen Mann. Nach dem Krieg kehrt Joseph, dessen Ehe gescheitert ist, nach Würzburg zurück.

Ich habe diesen ersten Band nach dem zweiten – zuvor gelesenen – Band gelesen. Die Reihenfolge ist fast egal, denn vieles wird doppelt beschrieben, wenn auch aus unterschiedlichen Erzählperspektiven. Katharina ist die Hauptperson in dieser Geschichte. Sie wird als stark beschrieben, jedoch überzeugen die Beschreibungen und vor allem ihre Handlungsweisen nicht immer. Eigentlich sollte sie stark sein, aber das kam nur sporadisch mal zum Vorschein. Meistens bleiben mir ihre Handlungsweisen fremd. Auch das was nach dem Krieg mit dem Kaufhaus passiert, als Joseph zurück kehrt ist eher nicht nachvollziehbar. Ich habe mich mit dem Ende der Geschichte schwergetan, vor allem weil es zu holperig geschrieben scheint.

Unabhängig davon ist der geschichtliche Hintergrund gut geschrieben, lesenswert weil Zeitgeschichte versucht wird literarisch aufzuarbeiten ohne Fingerzeig. Unaufdringlich wird der Schrecken und das Abgründige jener Zeit dargelegt, aber man fühlt sich nicht ständig so als bekäme man den Spiegel vor die Nase gehalten; das Abschreckende, Entsetzliche, das nie in Vergessenheit geraten sollte, wird thematisiert.

Die Erzählung selber oder vielmehr die einzelnen Charaktere bleiben mir stellenweise „so gholperig“ beschrieben. Mir fehlen die Gedankengänge, die zu mancher Entwicklung der Charaktere geführt haben, Gefühle bleiben unbeschrieben, die vielleicht geholfen hätten, um beim Lesen gedanklich immer mit den Personen mitzugehen. An manchen Stellen empfinde ich die Geschichte eher nur wie einen Tatsachenbericht verfasst.

Das Buch ist lesenswert, ich hätte mir vielleicht nur ein „Hintereinander“ statt ein „Nebeneinander“ des beschriebenen Zeitraumes gewünscht, vielleicht im Sinne eines Fortsetzungsromans der Familiensaga. Die unterschiedlichen Lebensgeschichten der Schwestern hätten auch in einem Buch nebeneinander Platz gefunden, von daher nur vier Sterne.

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